Plessower See

Werder (Havel), den 19.9.2018

Plessower See gekippt?

Die Märkische Allgemeine vom 18.07.2008 meldet, der Plessower See habe an Wasserqualität eingebüßt. Günter Kehl, Fachdienstleiter der Naturschutzbehörde des Kreises, schließe nicht aus, dass der See mit der Forellenmast in den siebziger und achtziger Jahren "gekippt sei". Allerdings sei die Ursache noch nicht bekannt.


Das Seeufer des Plessower Sees am 18.07.2008


Was bedeutet der Begriff "gekippt?" Man spricht auch von der Eutrophierung eines Gewässers: Eutrophierung ist die Nährstoffanreicherung in einem Gewässer und damit verbundenes übermäßiges Wachstum von Wasserpflanzen (z. B. Algen, Laichkraut). Mit dem Abwasser (u. a. Rückstände von Wasch- und Reinigungsmitteln, Fäkalien) und Abschwemmungen landwirtschaftlicher Flächen (Düngung) können große Mengen Nähstoffe (vor allem Phosphate und Nitrate) in die Gewässer gelangen und das Wachstum der Wasserpflanzen beschleunigen. Durch das vermehrte Absterben von Pflanzen wird bei dem anschließenden Zersetzen übermäßig Sauerstoff verbraucht. Fällt der Sauerstoffgehalt des Wassers unter ein bestimmtes Mindestmaß, hört der Abbau organischer Verunreinigungen durch aerobe Bakterien auf. Bei den danach von anaeroben Bakterien verursachten Zersetzungsprozessen können sich giftige Stoffe wie Schwefelwasserstoff, Ammoniak oder Methan bilden. Das Gewässer beginnt "umzukippen" (Fischsterben und belästigende Gerüche).


Das Seeufer des Plessower Sees am 18.07.2008


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Mit bloßem Auge kann man das gesteigerte Algenwachstum im Uferbereich erkennen. Man muss nicht Umweltexperte sein, um die Unappetitlichkeit des Gewässers im Uferbereich wahrzunehmen. Wer den See in den letzten Jahren beobachtet hat, weiß, daß die Verschlechterung der Wasserqualität nicht auf die Siebziger zurückgehen kann. Denn seit dem Abzug der Roten Armee hatte sich die Wasserqualität signifikant verbessert. Dieses Problem ist Resultat der Einwirkungen auf den See in den letzten drei bis vier Jahren!

Die Reaktion der Stadtverordneten auf diese Nachricht halte ich für eine Schmierenkomödie, die im diesjährigen Sommertheater gegeben wird. Man erinnert sich doch noch?

Der geplante Sanierung der Straße am Plessower See ist wieder in Frage gestellt, teilte Bürgermeister Werner Große (CDU) auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung mit. Grund sei die ungeklärte Frage der Regenentwässerung. "Wenn wir das Regenwasser nicht in den See ableiten können, wird die Straße für uns unfinanzierbar", so Große. PNN, 13.12.2003
Ich kann mich nicht erinnern, einen der Stadtverordneten gegen diese Forderung protestieren gehört zu haben. Es ist überhaupt nicht ausgeschlossen, daß die Verschmutzung des Sees auf den Ausbau der Straße Am Plessower See zurückgeht, denn das Regenwasser, das in der Straße gesammelt wird, wird in den See abgeleitet.


Das Seeufer des Plessower Sees am 18.07.2008


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Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn dieses Idyll vom sauberen See ohne Havelzugang der Wirklichkeit hätte standhalten können. Ein Umweltschwein ruht eben nicht, das sagt schon die Weisheit der Cree-Indianer:

Erst wenn der letzte Baum gefällt ist,
erst wenn der letzte Fluss
vergiftet ist,
erst wenn der letzte Fisch
gefangen ist,
werdet ihr verstehen,
dass man Geld
nicht essen kann.

Aber selbst dieser Prognose, die ja noch eine Resthoffnung auf die Lernfähigkeit der Umweltschweine setzt, würde ich mittlerweile nicht mehr bedenkenlos trauen!


Das Seeufer des Plessower Sees am 18.07.2008


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Nachhaltig daneben:
Straßenausbau auf Kosten des Plessower Sees?

Im Käseblatt vom 19.11.2004 liest man:

Große zeigte sich zuversichtlich und entschlossen, daß die Straße am Plessower See ohne Fördermittel ausgebaut wird. (General-Anzeiger, 19.11.2004, S.1)
In der PNN vom 13.12.2003 stand dagegen zu lesen:
Kein Grünes Licht für Straße am Plessower See Werder - Der geplante Sanierung der Straße am Plessower See ist wieder in Frage gestellt, teilte Bürgermeister Werner Große (CDU) auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung mit. Grund sei die ungeklärte Frage der Regenentwässerung. "Wenn wir das Regenwasser nicht in den See ableiten können, wird die Straße für uns unfinanzierbar", so Große. PNN, 13.12.2003

PNN, 13.12.2003


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Wird das mit Fahrzeugöl kontaminierte Regenwasser nun doch in den See abgeleitet? Der Plessower See ist Werders Trinkwasser-Reservoir. Vom Zernsee und dem Glindower See unterscheidet er sich dadurch, dass er keine Verbindung zur Havel besitzt. Seitdem die Rote Armee nicht mehr ihre Fäkalien in den See leitet, ist die Wasserqualität zumindest in dem Teil des Sees, der an das fragliche Bauvorhaben angrenzt, wunderbar, so dass der Plessower See auch Badegäste anzieht, wenn andere Seen im Berliner Umland längst wegen der Blaualge zum Gesundheitsrisiko geworden sind und gesperrt werden müssen. Der See ist ohnehin bereits einer starken Beanspruchung durch die Autobahnüberquerung ausgesetzt. Die schlechtere Wasserqualität im Kemnitzer Teil des Sees ist auffällig. Eine weitere Belastung des Sees könnte das Ende dieses wertvollen Naherholungsgebiets beschleunigen. Will man hier wirklich das Tafelsilber verschleudern, das uns gar nicht gehört, - nämlich das letzte Stückchen Natur in Werder, das noch relativ unberührt ist? Ist das nicht ein zu hoher Preis der Autobequemlichket? Gelten die Bedenken der Umweltbehörde nicht mehr? Berücksichtigt die Bauplanung jetzt die Bedenken der Umweltbehörde? Woher stammen die Gelder für das vor einem Jahr als "unfinanzierbar" bezeichnete Projekt? Welche Kosten kommen damit auf die Anwohner zu? Was sagt der Naturschutz? Gott sei Dank sind in Brandenburg Umweltverbände bei gravierenden Verstößen gegen die Belange der Umwelt klageberechtigt. Hoffentlich werden sie den Erwartungen gerecht, die an sie gestellt werden!
Wenn man sich in dieser Angelegenheit an den NABU wenden möchte (dringende Empfehlung!), dann findet man hier die Anschrift. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, mit dem Landesbüro anerkannter Naturschutzverbände im Land Brandenburg Kontakt aufzunehmen. Das "Landesbüro anerkannter Naturschutzverbände im Land Brandenburg" schreibt Folgendes zu seiner Aufgabenbeschreibung
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